
Carine Hayoz ist eine Schweizer Architektin und Künstlerin mit Ateliers in Bern und Venedig. Ihre Arbeiten werden in zahlreichen Ausstellungen in der Schweiz und in internationalen Galerien gezeigt. In ihrer Malerei verbindet sie architektonisches Denken mit einer sensiblen, offenen Bildsprache. Ihre Acrylgemälde sind von urbanen Räumen getragen. Fassaden, Horizonte und vertikale Linien tauchen auf, verschieben sich und verdichten sich zu stillen Kompositionen aus Licht, Farbe und Struktur. Selbst dort, wo Wasser oder Landschaft anklingen, bleibt die leise Präsenz der Stadt spürbar. Im Zentrum steht der Mensch im Raum. Figuren begegnen sich, verweilen, gehen aneinander vorbei. In diesen einfachen Gesten entstehen offene Geschichten – fragile Momente von Nähe, Distanz und Wahrnehmung. So wird Malerei zu einem Ort der Entdeckung. Nicht nur Bilder entstehen – auch wir selbst kommen uns näher. Art invents us.


Lange Zeit glaubte ich, mutig zu sein bedeutet, stark zu sein. Keine Schwächen zu zeigen. Keine Zweifel zu zeigen. Aber das Leben hat mich etwas anderes gelehrt.
Mein mutiger Weg besteht darin, mir zu erlauben, verletzlich zu sein. Weich zu werden. Auf die leise Stimme in mir zu hören, die tiefere Fragen stellt. Wer bin ich, wenn ich aufhöre, mich zu verstellen? Was ist real, wenn der Lärm verstummt?
In meiner Arbeit suche ich nach diesem Raum –einem Ort zwischen Stärke und Zärtlichkeit, zwischen Struktur und Auflösung, zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was man fühlt. Die Schichten, die offenen Räume, die Spuren in den Gemälden sind wie Momente des Lebens: manche klar, manche verschwommen, manche unvollendet.
Ich glaube, wir alle sind auf der Suche. Auf der Suche nach unserem wahren Selbst, nach etwas Ehrlichem und Lebendigem. Nach sanfter Schönheit. Nach echter Verbindung, echter Freundschaft, echter Nähe.
Und vielleicht begegnen wir in dieser Offenheit uns selbst oder einander.
Die Kunsthistorikerin Maria Becker, Autorin der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), beschreibt in ihrem Beitrag die Bildwelt von Carine Hayoz als «Symphonien urbaner Räume». Sie zeigt auf, wie sich Architektur, Licht und menschliche Figuren in ihren Arbeiten zu vielschichtigen Beziehungen verdichten und die Stadt zu einer Quelle von Inspiration und Energie wird.
«Jedes Bild von Carine Hayoz ist eine Symphonie urbaner Räume. Auch dort, wo Landschaft oder Wasser erscheinen, bleibt die Silhouette der Stadt spürbar. Vertikale Strukturen steigen als frei abstrahierte Pinselbahnen in den Himmel. In ihren Werken verdichten sich Eindrücke vieler Städte zu gefühlten Erinnerungen. Begegnungen, Sehnsucht und Einsamkeit werden zu offenen Erzählungen, die der Betrachtende selbst weiterführen kann. Das Urbane ist dabei keine Kulisse, sondern eine positive Kraft – ein Ort der Inspiration und kreativen Fülle.»
Auszug aus einem Beitrag von Maria Becker für die Neue Zürcher Zeitung.
